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    Beziehung  

 

    
    

 

Sie war ja überzeugt, dass sie nie mehr einen Mann kennen lernen würde. Ziemlich sicher war sie da und es machte ihr wenig aus. Wozu brauchte sie einen Mann? Und es war ja auch kein Kennen lernen, was sie an diesem nebligen, feuchten Dezembermorgen erlebte. Nicht wirklich ein Kennen lernen. Obwohl, genau betrachtet, vorher kannte sie den Mann nicht und jetzt kannte sie ihn. Also hatte sie ihn doch irgendwie kennen gelernt. Es zählte aber nicht. Zählte nicht als Kennen lernen.

Unter Kennen lernen stellte sie sich ganz konkret was vor. Zum Beispiel, sie ginge in eine Bar des Abends, ein angenehmer Mann stünde plötzlich an ihrer Seite, würde was Humorvolles sagen ( Humor war die Bedingung Nummer eins) sie würden lachen zusammen und sich mögen und für einen andern Abend verabreden. So in etwa war ein Kennen lernen in ihrer Vorstellung.

Dieser Mann da hingegen, der war nicht da um sich kennen lernen zu lassen. Er war einfach am Weg, als sie auf dem Auto-Occasionsmarktplatz diesen Mitsubishi  betrachtete. Sie ärgerte sich, weil der Wagen nicht angeschrieben war. Sie also nicht herausfinden konnte, was der Mann  dann später als unwichtig abtat, nämlich: Jahrgang, gefahrene Kilometer, Preis.

Im Weitergehen sah sie den Mann vor einem Garagentor mit Pinsel und schwarzer Farbe an einem alten Auto, das wohl ein so genannter Oldtimer sein musste, herummalen. Ganz vertieft war er in sein Tun , aber sie störte ihn dennoch, weil sie dachte, er sei der Verkäufer vom Mitsubishi ohne Anschrift.                 Was er aber empört  von sich wies.

Mit der Sicherheit eines Schweins, das auf Trüffel stösst, erkannte sie in dem Moment:

Hier stand, oder kniete der Mann, der ihr Problem mit diesem Autokauf in seine starken Hände nehmen würde und sie für alle Zeiten erlösen würde. Sie wusste das in dem Moment, als er sagte:

„Hören Sie, der Jahrgang spielt keine Rolle, wirklich nicht. Die Elektronik macht die neuen Wagen anfällig und nur die guten, alten Wagen mit den guten alten Kurbeln für dies und jenes sind nicht zu töten und nur so was lohnt sich zu kaufen.“

Sie hing an seinen Lippen. Ihre Zentraleinheit registrierte, dass er einen Schneidezahn zuviel besass und dass man bei den Gebissen der heutigen Kinder  dies korrigiert hätte. Aber der Automaler war von einem Jahrgang, in dem man dafür weder den Blick noch das Geld hatte.

Und er verstand was von Autos! Er würde ihren grossen Wagen nehmen, verkaufen, ihr einen neuen, kleineren suchen und finden und sie würde damit billig herumfahren können und viel weniger Versicherungsgebühren zahlen und sie wäre für alle Zeiten alle Sorgen los.

Wissen Sie, ich verkaufe keine Autos, dafür bin ich ungeeignet. Ich bin zu ehrlich für solche Geschäfte und kann den Leuten keine Mogelverpackungen andrehen, wie das all diese Händler tun! „

Sie lächelte ihn an. Ihr wirklich bezauberndstes Lächeln bekam er. Damit er sich an sie erinnern würde, wenn sie morgen wieder rein zufällig an seiner Werkstatt vorbeiging.