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Treue Kampfmaschinen Viktor Giacobbo ![]() Sie sind aggressiv, kampflustig, häufig nicht richtig erzogen und stellen somit für die Umwelt eine Gefahr dar. Immer wieder hat es Zwischenfälle gegeben, obwohl man die Probleme schon lange gekannt, seit Jahren diskutiert, aber nie wirklich einer Lösung entgegengeführt hat. Und heute stehen wir vor der der ernüchternden Erkenntnis: Nicht die einzelnen Bundesräte sind das Problem, sondern deren Halter. Gewisse Parteien leisten sich einfach das zweifelhafte Statussymbol, einen Bundesrat zu besitzen, ohne sich über die Konsequenzen im Alltag klar zu sein. Ganz legal können sich Regierungsparteien heute einen Bundesrat zulegen, sind jedoch häufig schon nach kurzer Zeit mit dessen Haltung überfordert. Nicht selten wird ein Bundesrat deshalb einfach wieder ausgesetzt, worauf er parteilos umherstreunt. Schon etliche Parteien haben es mit Leinenzwang versucht, sind aber damit gescheitert. Auch der permanente Maulkorb, wenn es um Informationen zu den Auseinandersetzungen im Bundesratsrudel geht, zeigt keinerlei Wirkung. Dieser Kläffschutz wird zwar von den einzelnen Bundesräten akzeptiert, ja sogar propagiert, aber beim Freigang immer wieder ausgezogen, um kurz zuschnappen zu können. Wenn ein Bundesrat laut wird, knurrend und zähnefletschend auf ein anderes Mitglied losgeht, ruft ihm der Parteipräsident entgegen: Keine Angst, er beisst nicht, er will nur spielen! Nun, das glaubt ihm wohl keiner mehr. Nicht umsonst titelte der Tages Anzeiger vor zwei Tagen: Treuer Begleiter und Kampfmaschine. Dies ist vermutlich auf den Redbull-Terrier im Bundesrat gemünzt, der während Jahren von seinen Züchtern im Albisgüetlizwinger* auf unverantwortliche Weise scharf gemacht worden ist und seither nur ein Kommando kennt: Fass! Zugleich hat ihm sein Parteipräsidenten-Herrchen alles durchgelassen und ihm nie den Meister gezeigt. Eine Welpenschule hat er ohnehin nicht besucht, und als er dann bereits im vorgerückten Alter zusammen mit einem zutraulichen Appenzeller in den Bundesrat gesperrt wurde, trat seine mangelnde Sozialisierung offen zu Tage. Hier verbellt er nun regelmässig den zarten Königspudel, der zwar intelligent getrimmt, aber eben kein Jagdhund ist. Konflikte entstehen so aus nichtigem Anlass – beispielsweise, wenn Jens, der Irish Setter, sein Geschäftchen im Ausland verrichten möchte. Spätestens
hier müssen wir uns die nicht artgerechten
Haltungsbedingungen genauer anschauen. Von Geburt ist keiner aggressiv,
aber
wenn sie über Jahre hinweg in dumpfen Parteiversammlungen gehalten
und später
zusammen mit den erbittertsten Feinden in einem Konkordanzgehege
permanenten
Stallzwang erleiden müssen, treten logischerweise gewisse
Verhaltensirritationen auf. Nicht einmal den einfachen Robidog-Service
lassen
sich die hochgezüchteten Exemplare mehr gefallen. Politkynologen
sind sich
nicht einig, wie die Probleme zu lösen sind. Sie fordern die
Parteien auf,
ihren Lieblingen bei Bedarf Ritalin zu verfüttern. Einige
schlagen
vor, das
Züchten von Kampfbundesräten mit strengen Gesetzen zu regeln,
andere möchten
die vier gefährlichen Regierungsparteien ganz verbieten.
*Albisgüetli
=
Lokal in Zürich , Treffpunkt für politisch Interessierte und
Liebhaber von Frühstück auf dem Bauernhof, sog. Buurezmorge
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mit der freundlichen Genehmigung des Autors |
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