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erschienen im Tages Anzeiger

Leseabstinenz             


K ürzlich fragte mich eine gute Bekannte, ob ich nicht einen Autor kenne, der kurze, gute und zugleich lustige Geschichten schreibe. Es müssten Erzählungen sein, die vom ersten Satz an fesseln, spannend bleiben bis zum Schuss, um dann mit einer höchste verblüffenden Pointe zu enden.
Auf meine Frage nach dem Grund dieses Anliegens erzählte sie mir von ihrem Mann, der völlig leseabstinent sei. Nichts und niemand könne ihn dazu bringen, ein Buch in  die Hand zu nehmen. Zwischen ihm und der Literatur stehe das Fernsehen, das ihm alle kulturellen Bedürfnisse abdecke. Und deshalb habe sie sich entschlossen, berichtete meine Bekannte weiter, ihrem Mann etwas vorzulesen. Sie wolle ihn neugierig machen und die Lust nach mehr wecken. Darum sei die Auswahl der Geschichte sehr wichtig, keinesfalls dürfe ihr Gatte einschlafen während des Vorlesens oder uninteressiert die Achseln zucken. Kurz und gut, was ich ihr denn nun vorschlagen könne.
Es war nicht einfach zu helfen. Kafka kam kaum in Frage, nicht mal Kästner. Simmel und Konsalik schreiben zum Glück keine Kurzgeschichten, und von Schwaars Mühlemann liest man nichts mehr. Wie wärs mit Kishon? Der schreibt doch kurz und lustig und die Pointen überborden beinah. Etwa die Szene im Hotelzimmer in Barcelona. Oder war es Madrid? Jedenfalls empfahl ich meiner Bekannten Kishon und versicherte ihr, dass ihr Mann nach mehr dürsten und in den Kreis der Selbstleser eintreten werde.
Neugierig auf die Reaktion des Mannes meiner Bekannten rief ich anderntags an. Ja, sie habe ihrem Gatten vorgelesen, meinte sie auf meine Frage. Er sei auch guten Willens gewesen und habe geduldig zugehört. Am Schluss sei er allerdings nicht wie erwartet in brüllendes Gelächter ausgebrochen, habe im Gegenteil keine Miene verzogen. Als sie ihm dann vorgeworfen habe, nicht einmal die lustigste aller Geschichten mit einem Lächeln zu honorieren habe er sich verteidigt: Er habe die Story schon gekannt, erklärte er, vom Fernsehen. Kishon habe sie ihm selbst vorgelesen.




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Kishon über die Schweizer:

Die Schweiz ist ein dreisprachiges Land. Die Deutschen sprechen französisch und italienisch, die Franzosen sprechen Französisch, und die Italiener sprechen über die Arbeitsbedingungen. Die Deutschen verachten die Franzosen, die Franzosen verachten die Deutschen, beide verachten die Italiener, und alle drei verachten die Ausländer.