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Wahre Wahrheiten



Das Ehepaar Kuhn war neu im Dorf. Von irgendwoher zugezogen.
Sie bemühten sich redlich, sich einzuleben und in kurzer Zeit war es ihnen gelungen, die wirklich wichtigen Wahrheiten über die Lokalberühmtheiten im Dorf zu erfahren.
Irgendwann kam die Rede auch auf das Bethli. Über das Bethli hätten sie was munkeln hören, aber wirklich Genaues könne niemand sagen.
Auch das Ehepaar Gründler, das vor viel längerer Zeit zugezogen war, konnte da nicht weiterhelfen.. Soviel sie wüssten, über das das Bethli, ja genau, da hätten sie auch schon was gehört. Mit diesem Kerl da, dem Herbert. Sie soll ein <Gschleik> haben mit dem. Aber Genaues weiss man wirklich nicht, und sie wollten da nichts gesagt haben.
Wenn’s nun aber wahr wäre, sinnierten sie nun zu viert, wenn das wirklich stimmen sollte mit dem Bethli und dem Herbert, also wirklich, sie ist doch verheiratet, hat drei Kinder und einen braven, anständigen Mann.
Ja, und der Herbert, was stellt der sich vor, wo das hinführen soll. Das hat doch keine Zukunft. Aber er soll bei ihr ein- und ausgehen, wenn der brave Ehemann zur Arbeit geht, sagt man.
Genau, man hat die auch schon im Nachbardorf gesehen, Arm in Arm.
Aber wie gesagt, beendete nun das Ehepaar Gründler das Gespräch, wir wissen gar nichts. Und weg waren sie.

Wochen später trafen sich das Ehepaar Gründler und das Ehepaar Kuhn am jährlichen Risottoessen auf dem Dorplatz. Kuhns hatten ihre Begegnung mit Gründlers längst vergessen. Doch man sass am selben Tisch und teilte sich einen halben Dôle. Und später noch einen. Kuhns erzählten, dass sie neu zugezogen seien, dass es ihnen aber sehr wohl sei hier. Bestens eingelebt, lachte das Ehepaar Kuhn.
Man kam sich also näher. Dutzismachen, Geschichten übers Haus,  Kind, Kegel und  Hund wurden ausgetauscht, als Herr Kuhn plötzlich eine Hand vor den Mund hielt, zum Ende des langen Tisches schielte und seine Frau in die Seite stiess::
<Hast Du gesehen, das Bethli sitzt da hinten.>
Vier Augenpaare wanderten tischabwärts und blickten auf das Bethli, dass mit drei Kindern am Tischende sass und den gelben Risotto abwechslungsweise in die geöffneten Mäuler ihres Nachwuchses schob.
<Die hat ein Verhältnis mit dem Herbert> flüsterte Herr Kuhn über den Tisch und zog vielsagend die Augenbrauen hoch. <Das ist das Beeeehtli!>
Auf Gründlers ungläubige Blicke fuhr er fort:< Ja, der geht bei ihr aus und ein, wenn der Ehemann auf Arbeit ist. Man hat die zwei auch schon oft im Dorf gesehen, engumschlungen.>
<Kann ja nicht sein!> Frau Gründler klatschte empört in die Hände:< Wer erzählt denn so was?>
<Wurde uns erzählt, von irgendwem, weiss ich jetzt auch nicht mehr so genau. Ist aber bestimmt wahr. Hundert pro!>
Herr Kuhn blickte beschwörend und seine Frau nickte dazu.

Auf dem Nachhauseweg schaute Frau Gründler ihren Mann vielsagend an und sagte:
< Siehst Du, ist es also doch wahr!>